Bietet sich eine Umwandlung eines Yen- in einen Euro-Kredit an ?

Insbesondere Anfang des letzten Jahrzehnts waren bei vielen Bauherren und Wohnungskäufern Fremdwährungskredite sehr beliebt, sei es in Schweizer Franken oder auch im Japanischen Yen. Ob Sie diesen Kredit beibehalten wollen hängt im Wesentlichen von zwei Faktoren ab: Wie schätzen Sie die Entwicklung des japanischen Yen gegenüber dem Euro ein und wie niedrig oder wie hoch ist die Zinsbelastung?

In Japan gab es ein Jahrzehnt der Deflation und der niedrigen Zinsen

Viele Kreditnehmer haben deshalb einen Fremdwährungskredit aufgenommen, da die Zinsen im Vergleich zur Eurozone erheblich niedriger waren. Die Prime Rate in Japan, der Zentralbank für Ausleihungen an die Geschäftsbanken, war jahrelang bei Null. Das Resultat dieser Niedrigzins-Politik, die auch die Rezession vermeiden sollte, waren auch vergleichsweise niedrige Hypothekenzinsen. So konnte man einen Hypothekenkredit in japanischer Währung durchaus im Jahreszins 3-4 Prozent billiger bekommen, als im Euroraum. Durch die niedrigere Zinsbelastung kann man theoretisch eine schnellere Abzahlung erreichen oder bei gleicher Laufzeit niedrigere Raten bezahlen.

Entscheidend ist aber letztendlich die Währungsentwicklung

Die große Chance und das große Risiko bei jedem Fremdwährungskredit ist allerdings die Währungsentwicklung. Haben Sie beispielsweise vor drei Jahren – in einem vereinfachten Rechenbeispiel – eine Kreditsumme von 100.000 japanischen Yen gehabt so waren dies ca. 654 Euro. Nehmen Sie einmal an, Sie hätten keine Tilgung geleistet und nur die Zinsen beglichen so wäre die Kreditsumme auf einen heutigen Wert von ca. 877 Euro angewachsen. Ursache dafür ist, dass vor drei Jahren noch ca. 153 Yen einen Euro ergaben und aufgrund des Wertverlustes des Euro heutzutage nur noch ca. 114 Yen für einen Euro bezahlt werden müssen. Trotz im Nominalbetrag unveränderter Schulden, ist der Wert in Ihrer Heimatwährung leider gestiegen.

Schauen Sie sich die 10-jährigen Charts an, so sehen Sie fast schon ein Langzeithoch des Japanischen Yen, insbesondere auch gegenüber dem Euro. Wobei der dramatische Wertverfall des Euro allerdings erst in den letzten 2 Jahren, also etwa ab 2009, eingesetzt hat. Bei der Frage des Rücktausches in Ihre Heimatwährung Euro, zählt einzig und alleine Ihre persönliche Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung: Schätzen Sie die Volkswirtschaft Europas oder diejenige in Japan als wachstumsstärker ein? Ist Europa wachstumsstärker, dann sollten Sie den Kredit erst später tauschen, denn der Yen wird an Wert gegenüber dem Euro verlieren und Ihr Kredit in Euro günstiger. Sehen Sie trotz der aktuellen Ereignisse die Gefahr, dass der Euro weiter an Boden verliert, dann sollten Sie den Kredit zeitnah in die eigene Währung tauschen.

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